Stuttgart 21, Im Sommer zu Heiß, Im Winter zu Kalt – Meine Meinung zum Pannenjahr der Bahn

Die Bahn hatte wieder ein großartiges Jahr. Zumindest dann, wenn ich den Aussagen des Bahnsprechers Glauben schenke, wenn er das vergangene Jahr beschreibt und er mir seine Zahlen vorlegt, die den Gewinn der Bahn ausweisen. Ja, ich gebe zu, wenn ich es so sehe, dann war es ein gutes Jahr für die Bahn, mehr Fahrgäste, mehr Einnahmen und höhere Prämien für den Vorstand.

Aber aus der Perspektive des Kunden war es kein gutes Jahr für die Bahn, sondern ein Jahr voller Pannen. Und viele dieser Pannen erschienen mir zumindest vermeidbar, denn dass es im Sommer heiß und im Winter kalt ist, dass im Herbst Laub fällt, das habe ich schon vorher gewusst und wäre ich Bahnvorstand, würde ich das auch bei der Planung berücksichtigen. Aber offenbar sitzen im Bahnvorstand nur Leute, die keine Jahreszeiten zu kennen scheinen und die es mit großer Überraschung aufnehmen, dass die Jahreszeiten auch Auswirkungen auf den Schienenverkehr haben.

Das Prestigeobjekt der Bahn ist ohne jeden Zweifel der ICE. Aber im Sommer musste ich erfahren, dass selbst dieser High-Tech Zug, der in viele Länder exportiert wird, recht anfällig für Probleme ist. Bei mehr als 32 Grad streikt die Klimaanlage und die Fahrgäste kommen ins Schwitzen. Dabei weiß spätestens nach dem Rekordsommer 2003 jeder, dass die Temperaturen im deutschen Sommer öfters mal über 32 Grad steigen. Ausbaden mussten das die Fahrgäste im Sommer, deren überfüllte Züge zur Sauna wurden. Leicht zu einer Katastrophe hätte ein Fall in Stuttgart werden können. Durch ein Problem mit dem Stromabnehmer im Triebfahrzeug, mussten 420 Fahrgäste in einem Tunnel nahe Stuttgart mehrere Stunden ausharren. Was für eine Katastrophe es hätte geben können, wenn ein Feuer ausgebrochen wäre, mag ich mir gar nicht vorstellen.
Apropos Stuttgart, der Umbau des Hauptbahnhofs war und ist auch nicht gerade eine mediale Glanzvorstellung der Bahn. Niedergeknüppelte Demonstranten, blutende Schüler und ein verlorenes Augenlicht sind nicht gerade die beste Werbung für ein Unternehmen. Warum in Stuttgart nicht stärker mit der Öffentlichkeit kommuniziert wurde und warum nicht stärker versucht wurde die Bürger zu beteiligen, wird auf ewig ein Geheimnis der Bahn bleiben, immerhin betont sie doch stets, dass der ganze Umbau im Interesse der Bürger geschieht. Wenn es aber im Interesse der Bürger sein soll, warum werden die Bürger dann nicht gefragt? Hält die Bahn die Bürger für kleine Kinder, über deren Kopf hinweg entschieden wird?

Und dann kam der Winter. Er brachte Schnee und Eis und irgendwie schien sich der Sommer für die Bahn zu wiederholen. Nur eben in Kalt. Die Züge standen still, diesmal war der Schnee Schuld und statt der Klimaanlagen fielen nun die Heizungen aus und Fahrgäste mussten frieren. Immerhin sah die Bahn sogar ein, dass es nicht so geht und entschädigte die Fahrgäste.

Trotz all ihrer Fehler werde ich auch 2011 wieder die Bahn nutzen, ganz einfach deshalb, weil es keinen anderen Anbieter auf den von mir genutzten Bahnstrecken gibt. Aber ich hoffe doch sehr, dass sich im Bahnvorstand die Erkenntnis durchsetzt, dass es im Sommer heiß und im Winter kalt werden kann.